Leopold Strasser


am 14. November 1903 in Böheimkirchen geboren. Nach der Berufsschule lernte er den Beruf eines Schlossers und war ab 1923 bei den Österreichischen Bundesbahnen zuerst in Wörth und dann im Reichsausbesserungswerk St. Pölten tätig. 1939 Heirat nach Kirchstetten und 1940 Geburt einer Tochter.

Er war Obmann des Gartenbauvereins, liebte die Natur und wollte Kirchstetetten zu einem Muster-Gartendorf machen.

Er war Mitglied des sozialdemokratischen Arbeiterkraftsportverein bis zum Verbot der sozialdemokratischen Partei 1937.

Nach dem nationalsozialistischen Umbruch wurde er, ohne der Partei oder einer ihrer Gliederungen beizutreten, Vertrauensmann des Reichsbundes der Deutschen Beamten in seiner Betriebswerkstätte.

Am 13. März 1941 wurde er während der Arbeit von der Gestapo verhaftet und zur selben zeit wurde sein Haus ebenfalls von der Gestapo durchsucht.

Sechs Wochen Gestapoverhör hatten zur Folge, dass sein ganzer Kiefer verletzt und er fast keine Zähne mehr hatte. Das alles, weil er mehr wissen sollte, als er wusste.

Er wurde danach zur Gestapo nach Wien überstellt und hier gestand er „ohne Zwang und aus freien Stücken“.

Danach kam er ins Gefangenenhaus Stein und danach nach Znaim. Das hieß: Einzelhaft, kahl geschorener Kopf, 15 dkg Kartoffel /Tag, ein Löffel Marmelade ohne Brot zum Nachtmahl, zum Frühstück gekochtes Wasser mit Futtermehl gestaubt. Donnerstag und Sonntag eine Fleischflachse, die den Vorteil hatte, dass man sie eine halben Tag im Mund behalten konnte.

Bei der Gerichtsverhandlung in Krems am 1. Dezember 1942 wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode und lebenslangen Ehrverlust verurteilt, auch hatte er die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Urteilsbegründung:

Er hätte Kenntnis über die Errichtung einer kommunistischen Organisation in seiner Betriebsstätte, er sei zur aktiven Mitarbeit geworben worden und hätte als Verbindungsmann fungiert. Tatsächlich lieferte er ab Juni 1940 bis Jänner 1941 monatlich Geld an diese Organisation ab, die diese an die Ehefrauen der bereits verhafteten Kollegen zur Unterstützung verteilte.

In der Verhandlungsschrift heißt es wörtlich:

„Für solche Täter ist kein Platz in der Volksgemeinschaft, nur die schwerste zulässige Strafe allein kann seinem Verschulden gerecht werden.“

Nach dem Urteilsspruch kam er sofort in die Todeszelle nach Wien.

Aus einem geschmuggelten Brief:

 … wir sind hier zu dritt in der Zelle. Wir dürfen miteinander sprechen, doch das hat keinen Wert mehr. … Bei Nacht brennt das Licht und bei Tag  hat man, wenn die zeit der Hinrichtungen ist, Gefühle, die man nicht niederschreiben kann. Jeden Tag hofft man auf Rettung. … man hört, wie links und rechts die Leute weggeführt werden, es ist fürchterlich. Meist sechs bis zehn Personen. So geht das, bis es einen selbst trifft, wenn nicht ein Wunder geschieht. …

Zahlreiche Gnadengesuche wurden eingereicht, die Gesuche gehen nach Berlin und wieder nach Wien zurück ohne Erfolg.

Am 29. April 1943 wird Leopold Strasser im Landesgericht Wien geköpft. Die Familie wurde nicht verständigt und erst am 24. Mai 1943 bekommt Frau Strasser die Sterbeurkunde ihres Mannes am Standesamt in Wien ausgehändigt.

Während der Zeit der Verhaftung bis zum Kriegsende wurde die Familie Strasser von fanatischen Nationalsozialisten im Ort beobachtet und bespitzelt. Die Nazis hatten sogar vor, die Tochter von einer ihrer „Spitzenfamilien“ erziehen zu lassen. Sehr wenige wagten den Kontakt zur Familie, dazu zählten Nachbarn und einige gute Arbeitskollegen.

Am 29. April 1967, 24 Jahre nach seiner Hinrichtung, wurde Leopold Strasser posthum die Ehrennadel der österreichischen Widerstandsbewegung, von Bundeskanzler Dr. Josef Klaus verliehen.